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Indien: Lebenswichtige Gesundheit und Hygiene

Situation

Der Bundesstaat Uttar Pradesh ist Indiens bevölkerungsreichster Staat. 30 Prozent der Bewohner leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Die Armut hat gravierende negative Auswirkungen auf die Gesundheitssituation der Menschen. Über 75 Prozent der dort lebenden Bevölkerung haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen und Hygieneprodukten. Aufgrund fehlender gesundheitlicher Aufklärung, mangelnden Zugangs zur Gesundheitsversorgung und unzureichender sanitärer Infrastruktur sterben Menschen an eigentlich gut behandelbaren oder gänzlich vermeidbaren Krankheiten. Wegen des geringen Bildungsstandes der Dorfbevölkerung ist das Hygiene- und Gesundheitsbewusstsein nur unzureichend. Die hohe Rate an Durchfallerkrankungen und deren fehlende adäquate Behandlung tragen unter anderem zu einer hohen Kindersterblichkeit bei. 50 von 1000 Kindern sterben bereits nach der Geburt, womit Uttar Pradesh eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten Indiens aufweist.

Ein weiteres Gesundheitsproblem ergibt sich aus der Tatsache, dass etwa 90 Prozent aller Frauen in Uttar Pradesh keine Hygienebinden während ihrer Menstruation verwenden. Zum einen, weil sie Hygienebinden nicht kennen und zum anderen, weil diese entweder nicht verfügbar oder zu teuer sind. Stattdessen benutzen die Frauen im schlimmsten Falle Asche oder Sand. Im besten Falle werden unhygienische Stofflappen benutzt, die – aufgrund unzureichender Reinigungsmöglichkeiten – zu häufigen (vermeidbaren) Harnwegsinfektionen führen.

Projektziele

Die Gesundheits- und Hygienesituation sowie die Einkommenssituation der Frauen in Uttar Pradesh soll folgendermaßen verbessert werden:

1) Verbesserung der Gesundheits- und Hygienesituation in den Dörfern durch die Schulung von 100 Gesundheitsberaterinnen

2) Versorgung der weiblichen Dorfbevölkerung mit Hygieneprodukten durch die Gesundheitsberaterinnen

3) Weitere Verbesserung der Hygienesituation durch den Zugang zu staatlichen Hilfen und Mikrokrediten für den Bau von 400 Toiletten

4) Zugang zu einer akutmedizinischen Erstversorgung bei medizinischen Notfällen und akuten sowie chronischen Krankheiten

Insgesamt sollen 37.500 Familien von den Maßnahmen profitieren.

Aktivitäten

Im Rahmen dieses Hilfsprojekts werden 100 Mikrofinanz-Klientinnen zu Gesundheitsberaterinnen ausgebildet. Sie erhalten Trainings zur Gesundheitsprävention sowie zu Hygiene und geben ihr Wissen anschließend in Form von Gesundheitsschulungen an die Frauen in ihren Dörfern weiter. Die Gesundheitsberaterinnen helfen den Dorfbewohnern außerdem bei der Beantragung von staatlichen Subventionen und Mikrokrediten für den Toilettenbau, um die Hygienesituation in den Dörfern zu verbessern.

Über die Projektlaufzeit hinaus dienen die Gesundheitsberaterinnen mit ihrem Wissen als Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen und Notfällen. Zusätzlich lernen die 100 Gesundheitsberaterinnen, wie sie mit ihrem Wissen im Gesundheits- und Hygienebereich einen zusätzlichen Verdienst erzielen können. So sind sie nach ihrer Ausbildung in der Lage, beispielsweise durch den Verkauf von Hygienebinden, ihr Einkommen zu verbessern.

Darüber hinaus erhalten 50 weitere, fertig ausgebildete Gesundheitsberaterinnen eine Fortbildung zur sogenannten Gesundheitsversorgerin. Diese Fortbildung vermittelt tiefergehende medizinische Kenntnisse, beispielsweise die Diagnose von akuten und chronischen Krankheiten sowie deren Behandlung. Die Erstversorgung von Notfällen wie Knochenbrüchen oder offenen Wunden wird ebenfalls geschult. Hierfür werden die Frauen mit Erste-Hilfe-Sets und Basismedizin ausgestattet. Durch die Durchführung von (Vorsorge-)Untersuchungen und das Erstellen einer ersten Diagnose generieren sie ein kleines Einkommen. In schwerwiegenden Fällen werden die PatientInnen durch die Gesundheitsversorgerin an einen Arzt weitergeleitet.

Die insgesamt 150 ausgebildeten Frauen führen Gesundheitsaufklärung, Gesundheitsvorsorge, Versorgung mit rezeptfreien Medikamenten und eine akutmedizinische Erstversorgung durch und gewährleisten einen besseren Zugang zu hygienischer Versorgung für 37.500 Familien.