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Besuch vom CEO aus Ghana

Stefan Knueppel und Tony FosuDer Leiter der Opportunity-Partnerorganisation in Ghana, Anthony Gyasi-Fosu, kam uns in unserem Bielefelder Büro besuchen, wo er sich ausführlich mit Vorstand Stefan Knüppel über die gemeinsame Arbeit austauschte. Dabei erzählte er auch von seiner persönlichen Motivation.

Opportunity: Wann hast du bei Opportunity angefangen und warum?
Anthony Gyasi-Fosu: Ich habe 1998 als Loan Officer in einer sehr ländlichen Gegend angefangen. Davor kannte ich Opportunity nicht, aber ich suchte eine gemeinnützige Organisation, deren Mission im Dienste der Armen steht.

In der Wirtschaft könntest du mit deiner Ausbildung viel mehr verdienen. Warum bist du immer noch bei Opportunity?
Ich wollte meine Universitätsausbildung nutzen, um meinen Leuten zu helfen. Ich habe mit Opportunity eine Organisation gefunden, deren Mission armen Menschen zu dienen ich voll und ganz unterstützen möchte. Dies befriedigt viel mehr als nur Geld.

Was sind die wichtigsten Projekte bei Opportunity in Ghana?
Im Moment haben wir zwei Schwerpunktprojekte. Das eine ist unser Ausbildungsprojekt YAP („Youth Apprenticeship Program") für Heranwachsende, die besonders gefördert werden müssen. Das andere ist unser Agrarprojekt, was die Bevölkerung auf dem Land unterstützt. Niemand hilft diesen Menschen, denn besonders die Landwirtschaft wird als sehr risikoreich eingeschätzt.

Was ist deine persönliche Motivation?
Meine persönliche Motivation ist christlich geprägt. Ich möchte den Armen dienen.

Was war dein eindrücklichstes Erlebnis bei deiner Arbeit?
Als ich noch Kreditbetreuer war, hatte ich ein sehr schönes Erlebnis. Eine der Kreditnehmerinnen hatte eine Tochter und war allein erziehend. Ohne die Hilfe von Opportunity hätte sich die Mutter die Schulbildung für die Tochter nicht leisten können. Mit dem zusätzlichen Gewinn aus ihrem Kleinunternehmen aber konnte sie ihre Tochter sogar zur Universität schicken. Die Tochter arbeitet nun bei Opportunity International!

Welche zukünftigen Projekte sind dir wichtig?
Das sind Projekte, die speziell der armen Landbevölkerung helfen und die Landwirtschaft fördern, denn diese Regionen werden auch von anderen Mikrofinanz-Anbietern nicht genügend beachtet.

Was sind die größten Herausforderungen für dich in der Mikrofinanzarbeit?
Eine große Herausforderung sind globale Finanzkrisen, denn sie haben Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Ghana, auf die Inflation und erhöhte Zinsen. Eine weitere Herausforderung für uns ist die Konkurrenz von größeren Banken, die nun auch in das Geschäft mit der Mikrofinanzierung einsteigen wollen, allerdings eher aus Profitgründen als dass sie den Armen helfen wollen.

Was bedeutet für dich Mikrofinanzierung?
Besonders der Armut der Landbevölkerung kann nur durch einen unternehmerischen Ansatz und in Partnerschaft mit den armen Menschen entgegenwirken. Man muss sie unterstützen, damit sie sich selbst helfen können.

Was sagst du zum Thema Microschools?
Microschools sind sehr wichtig, denn bevor Afrika sich aus der Armut befreien kann, brauchen die Menschen erst einmal Bildung. Die Regierung ist nicht in der Lage diese für alle sicherzustellen. Deswegen helfen sich die Armen mit der Gründung der Microschools selbst, und dies ist sicher auch die beste Lösung.

Was ist deine Meinung zum Ausbildungsprogramm YAP?
Dies ist ein sehr wirkungsvolles Projekt für unterprivilegierte junge Menschen, denen weder die Regierung noch die Mikrofinanzierung helfen kann. Doch ohne Hilfe gleiten sie oft in Kriminalität, Prostitution oder in die Drogenszene ab. Es ist also wichtig, diesen besonders gefährdeten Jugendlichen mit einer Ausbildung die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu entwickeln und zu lernen, diese wirksam einzusetzen. Die ausgebildeten jungen Leute geben diese Fertigkeiten dann oft an andere Jungendliche weiter, sodass ein Multiplikator-Effekt entsteht.

Wie hast du und deine Frau Deutschland erlebt?
Deutschland ist sehr kalt. Alles ist hier sehr sauber. Uns hat überrascht, wie freundlich die Deutschen sind. Es war sehr schön, einmal Opportunity International in Deutschland zu besuchen und die Mitarbeiter kennen zu lernen.